Der ganz normale Wahnsinn

Es ist Montagmorgen, ein Blick auf heise.de zeigt die neuesten Entwicklungen in der IT-Welt und ich stelle fest, daß Meldungen, die mich noch vor wenigen Jahren aufgeschreckt hätten, in der heutigen Zeit fast schon Randnotizen darstellen:

  • Gutachten: Rechtliche Bedenken gegen Internet-Sperren

    Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) strebt eine Blockade von Internet-Seiten mit kinderpornographischen Inhalten an, doch mehrere Gutachten, die heise online vorliegen, äußern erhebliche Zweifel an der rechtlichen Durchführbarkeit.

    Die Meldungen über die Versuche von Ministern, BKA, LKA, Rechteinhabern und Firmen, die sperren, aushorchen, überwachen, bespitzeln und beschatten wollen, reißen nicht ab. Wenn die Vorschläge nicht ganz mit der verfassungsrechtlichen Wirklichkeit übereinstimmen, muß eben die Wirklichkeit angepasst werden.

  • E-Mails ohne Adressen

    Forscher an der Stanford University wollen demnächst ein neuartiges E-Mail-System testen, das die Art, wie elektronische Botschaften ausgeliefert werden, radikal ändern könnte. „SEAmail“ steht dabei für „semantische E-Mail-Adressierung“ und erlaubt es, Nachrichten an Menschen zu senden, die bestimmte Kriterien erfüllen, ohne dass man deren genaue E-Mail-Anschriften oder gar Namen kennt.

    Großartig, wozu noch viel Geld dazu ausgeben, Daten von Menschen in Gewinnspielen, Umfragen und sozialen Netzwerken zu erheben, wenn ich meine Werbung jetzt endlich zielgerichtet an die passenden Empfänger in aller Welt schicken kann?

  • Bislang geheime Datenbank erfasst in Großbritannien alle Ein- und Ausreisen

    In Großbritannien baut die Regierung im Rahmen des 2005 gestarteten Programms e-borders eine Datenbank auf, in der auch die Reisedaten aller Briten gesammelt und für 10 Jahre vorrätig gehalten werden. Nach dem Vorbild des US-Visit-Programms sollen damit alle Reisebewegungen lückenlos erfasst werden. Wie die Times berichtet, werden Namen, Adressen, Telefonnummern, Reservierungen, Reiserouten und Kreditkarteninformationen aller Reisenden gespeichert, die Großbritannien verlassen oder einreisen. Dabei handelt es sich jährlich um insgesamt 250 Millionen Reisen.

    Es wird allmählich klar, daß Terrorismusbekämpfung nur sinnvoll und zielführend durchgeführt werden kann, wenn ich absolut alles über jeden speichere und möglichst lückenlose Dossiers anlege. Ich muß den einzelnen auch in seinen Privaträumen beschatten und seine Kommunikation mithören dürfen. Anders werden wir der Terrorgefahr nicht mehr Herr.

  • Kaspersky-Website angeblich undicht

    Auf der Website hackersblog.org berichtet ein Teilnehmer mit dem Kürzel „unu“ von seinen Erkenntnissen, wie man durch einfache Variation einiger Zeichen in der URL auf Seiten mit sensiblem Inhalt vorstoßen kann. Mit der SQL Injection genannten Technik gelange man an Daten über Kunden, Aktivierungscodes, Fehlerberichte, Administratorennamen und Shops.

    Letzte Woche sämtliche Daten von Arbeitssuchenden bei monster.com, davor Kreditkartenfirmen, Online-Shops etc. Die gesammelten Daten werden dann gerne mal für Betrügereien mit Kreditkarten und fremden Identitäten genutzt. Zum Glück wird die lückenlose Überwachung aber auch dieser Kriminaltität bald ein Ende setzen.

Kommentar hinterlassen

Pflichtfelder sind mit * markiert. Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.